Das PERMA-Modell
Methoden-Montag: Das PERMA-Modell – Wohlbefinden differenziert betrachten und gezielt stärken
Was beeinflusst unser Wohlbefinden eigentlich? Eine naheliegende Antwort wäre vielleicht: Gesundheit, Erfolg, gute Beziehungen oder eine Arbeit, die zu uns passt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass Wohlbefinden aus verschiedenen Komponenten entsteht und Menschen diese sehr unterschiedlich gewichten.
Genau hier setzt das PERMA-Modell aus der Positiven Psychologie an. Martin Seligman beschreibt fünf Bereiche, die zum menschlichen Wohlbefinden und zum sogenannten „Flourishing“ beitragen: Positive Emotionen, Engagement, Relationships, Meaning und Accomplishment.
Im Coaching bietet das Modell einen strukturierten Rahmen, um die eigene Lebens- oder Arbeitssituation differenziert zu betrachten. Es hilft dabei, vorhandene Ressourcen sichtbar zu machen, Zusammenhänge besser zu verstehen und herauszuarbeiten, an welchen Stellen eine Veränderung sinnvoll sein könnte.
Methoden-Steckbrief
Methode: PERMA-Modell
Entwickelt von: Martin E. P. Seligman
Ursprung: Positive Psychologie
Ziel: Wohlbefinden anhand von fünf zentralen Dimensionen reflektieren und individuelle Ansatzpunkte für Veränderungen identifizieren
Geeignet für: Einzelcoaching, Karriere- und Business-Coaching, Führungskräftecoaching, persönliche Standortbestimmung und Entwicklungsprozesse
Zeitaufwand: ca. 30 bis 60 Minuten, je nach Tiefe der Reflexion
Material: Papier und Stift, Flipchart oder vorbereitete PERMA-Vorlage; optional eine Skala von 0 bis 10
Besonders hilfreich bei: beruflicher Unzufriedenheit, Neuorientierung, Fragen zu Sinn und Motivation, persönlicher Standortbestimmung und dem Wunsch nach mehr Klarheit über die eigene Lebens- oder Arbeitssituation
Was ist die Methode?
Das PERMA-Modell wurde vom US-amerikanischen Psychologen Martin Seligman, einem der zentralen Vertreter der Positiven Psychologie, entwickelt. Ausgangspunkt ist die Frage, welche Faktoren dazu beitragen, dass Menschen sich positiv entwickeln und ihr Leben als erfüllt erleben.
Seligman fasst fünf Elemente zusammen, die jeweils eigenständig zum Wohlbefinden beitragen können. Aus ihren englischen Bezeichnungen ergibt sich das Akronym PERMA:

P – Positive Emotions | Positive Emotionen
Hierzu gehören beispielsweise Freude, Interesse, Dankbarkeit, Hoffnung, Zufriedenheit oder Zuversicht. Im Coaching kann es interessant sein zu untersuchen, welche positiven Emotionen im Alltag vorkommen, wodurch sie entstehen und welchen Raum sie aktuell einnehmen.
E – Engagement | Engagement
Engagement beschreibt das intensive Aufgehen in einer Tätigkeit. Eng damit verbunden ist das Konzept des „Flow“, bei dem eine Person konzentriert in einer Aufgabe aufgeht und ihre Fähigkeiten einsetzen kann. Dabei spielen persönliche Stärken und eine passende Balance zwischen Herausforderung und Kompetenz eine wichtige Rolle.
R – Relationships | Beziehungen
Menschen sind soziale Wesen. Gute Beziehungen, Zugehörigkeit, Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und konstruktiver Austausch haben einen wesentlichen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Dieser Bereich umfasst private Beziehungen ebenso wie berufliche Kontakte und das soziale Umfeld am Arbeitsplatz.
M – Meaning | Sinn
Meaning bezeichnet das Erleben von Sinn und Bedeutung. Dabei kann es um persönliche Werte, eine Aufgabe, eine Rolle oder das Gefühl gehen, mit dem eigenen Handeln zu etwas beizutragen, das als bedeutsam erlebt wird.
A – Accomplishment | Zielerreichung
Accomplishment umfasst Zielerreichung, Fortschritt, Kompetenz- und Selbstwirksamkeitserleben. Dazu gehört beispielsweise die Erfahrung, etwas bewältigt, gelernt oder entwickelt zu haben. Auch kleinere Fortschritte können für diese Dimension relevant sein.
Die fünf Bereiche stehen miteinander in Verbindung. Gleichzeitig können sie bei einer Person sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Genau diese Differenzierung macht das Modell für Coachingprozesse interessant.
Aufbau und Durchführung
Das PERMA-Modell lässt sich auf unterschiedliche Weise einsetzen. Eine einfache Variante besteht darin, die fünf Bereiche zunächst einzeln zu betrachten und jeweils auf einer Skala von 0 bis 10 einzuschätzen.
Dabei geht es weniger darum, einen möglichst hohen Gesamtwert zu erreichen. Die Einschätzung dient vor allem als Ausgangspunkt für das Gespräch.
Für die einzelnen Bereiche können beispielsweise folgende Fragen genutzt werden:
Positive Emotionen
Welche positiven Gefühle erlebst du in deinem Alltag?
In welchen Situationen entstehen sie?
Was möchtest du davon häufiger erleben?
Engagement
Bei welchen Tätigkeiten bist du konzentriert und ganz bei der Sache?
Wo kannst du deine Fähigkeiten und Stärken gut einsetzen?
Welche Aufgaben fordern dich auf eine gute Art?
Relationships
Welche Beziehungen empfindest du als unterstützend und bereichernd?
Mit welchen Menschen erlebst du einen guten Austausch?
Wo fehlen dir Kontakt, Zugehörigkeit oder Unterstützung?
Meaning
Welche Tätigkeiten empfindest du als sinnvoll?
Was ist dir in deinem Leben oder deiner Arbeit wichtig?
Wo erkennst du eine Verbindung zwischen deinem Handeln und deinen persönlichen Werten?
Accomplishment
Wo erlebst du Fortschritt?
Welche Erfolge sind für dich persönlich bedeutsam?
Bei welchen Aufgaben erlebst du dich als kompetent und wirksam?
Anschließend können die fünf Einschätzungen gemeinsam betrachtet werden. Häufig zeigen sich dabei Unterschiede, die einen guten Einstieg in die weitere Reflexion ermöglichen.
Ein hoher Wert muss dabei ebenso wenig automatisch positiv bewertet werden wie ein niedriger Wert als Problem. Interessanter ist die Frage, welche Bedeutung die jeweilige Ausprägung für die Person selbst hat.
So nutze ich die Methode im Coaching
Im Coaching nutze ich das PERMA-Modell vor allem als strukturierten Reflexionsrahmen. Besonders hilfreich finde ich es bei Anliegen, bei denen eine Person eine allgemeine Unzufriedenheit beschreibt, zunächst aber noch schwer benennen kann, woher diese kommt.
Dann betrachten wir die fünf Bereiche zunächst einzeln. Dabei interessiert mich neben der aktuellen Einschätzung vor allem, was hinter dieser Bewertung steht.
Wenn eine Klientin beispielsweise den Bereich Accomplishment mit einer 9 bewertet, können wir genauer hinschauen: Was bedeutet Erfolg für sie? Welche Ziele hat sie erreicht? Wie wichtig ist ihr diese Dimension? Und wie erlebt sie gleichzeitig die anderen Bereiche?
So kann sich beispielsweise zeigen, dass jemand beruflich erfolgreich ist und regelmäßig anspruchsvolle Ziele erreicht, während Sinn oder gute Beziehungen im Arbeitsalltag deutlich weniger Raum einnehmen. Eine andere Person erlebt ihre Tätigkeit als sinnvoll und hat ein unterstützendes Umfeld, vermisst jedoch Aufgaben, bei denen sie ihre Fähigkeiten einsetzen und sich weiterentwickeln kann.
Aus einem zunächst allgemeinen Gefühl wie „Irgendetwas passt in meinem Job nicht mehr“ kann dadurch eine deutlich konkretere Fragestellung entstehen.
Im nächsten Schritt schauen wir gemeinsam, welcher Bereich für das aktuelle Coachinganliegen besonders relevant ist und welche Veränderung dort sinnvoll wäre. Dabei können Fragen helfen wie:
Was möchtest du in diesem Bereich erhalten?
Was fehlt dir aktuell?
Welche Erfahrungen hast du bereits gemacht, bei denen dieser Bereich stärker ausgeprägt war?
Was war damals anders?
Welche Rahmenbedingungen kannst du selbst beeinflussen?
Was wäre ein realistischer nächster Schritt?
Das PERMA-Modell liefert damit keine fertige Lösung. Es hilft dabei, genauer zu verstehen, wo angesetzt werden kann.
Warum diese Methode so wirkungsvoll ist
Eine wesentliche Stärke des PERMA-Modells liegt für mich in seiner Differenzierung. Begriffe wie Zufriedenheit oder Wohlbefinden sind sehr umfassend und im Coaching manchmal schwer greifbar. Die fünf Dimensionen geben dem Gespräch eine klare Struktur und ermöglichen es, genauer zu untersuchen, welche Faktoren für die jeweilige Person eine Rolle spielen.
Gleichzeitig richtet das Modell die Aufmerksamkeit auf vorhandene Ressourcen. Wenn ein Bereich bereits gut ausgeprägt ist, lohnt sich die Frage, welche Bedingungen dazu beitragen. Diese Erkenntnisse können für andere Bereiche oder zukünftige Entscheidungen hilfreich sein.
Auch für berufliche Fragestellungen ist diese Perspektive interessant. Karriereentscheidungen werden häufig anhand von Aufgaben, Verantwortung, Position, Entwicklungsmöglichkeiten oder Gehalt betrachtet. Mit PERMA kommen weitere relevante Fragen hinzu: Kann ich meine Stärken einsetzen? Erlebe ich meine Tätigkeit als sinnvoll? Wie wichtig ist mir das soziale Umfeld? Wo erlebe ich Fortschritt und Selbstwirksamkeit?
Dadurch entsteht ein differenzierteres Bild davon, welche Bedingungen eine berufliche Situation langfristig passend machen können.
Wichtig ist dabei die Einordnung des Modells: PERMA ist ein theoretisches Modell der Positiven Psychologie und kann im Coaching als Reflexionsrahmen genutzt werden. Es ersetzt keine psychologische Diagnostik und sollte auch nicht als Checkliste verstanden werden, nach der alle fünf Bereiche möglichst hohe Werte erreichen müssen.
Wann ist diese Methode besonders hilfreich?
Das PERMA-Modell eignet sich gut für Situationen, in denen eine erste Standortbestimmung hilfreich ist. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn jemand mit seiner beruflichen Situation unzufrieden ist, aber noch keine klare Vorstellung davon hat, was sich verändern soll.
Auch bei einer beruflichen Neuorientierung kann die Methode wertvolle Hinweise geben. Statt ausschließlich darüber nachzudenken, welcher nächste Job fachlich passen könnte, lässt sich zusätzlich betrachten, welche Bedingungen für das persönliche Wohlbefinden eine wichtige Rolle spielen.
Weitere mögliche Einsatzfelder sind Veränderungen in der beruflichen Rolle, der Einstieg in eine Führungsposition, die Reflexion der eigenen Arbeitsweise oder die Frage, welche Faktoren langfristig zu einer passenden Lebens- und Arbeitsgestaltung gehören.
Das Modell kann außerdem sinnvoll sein, wenn jemand bereits viele Ziele erreicht hat und trotzdem merkt, dass die aktuelle Situation nicht zufriedenstellend ist. Die fünf PERMA-Dimensionen helfen dabei, genauer zu untersuchen, welche Aspekte bisher viel Aufmerksamkeit erhalten haben und welche möglicherweise zu kurz gekommen sind.
Für wen eignet sich die Methode?
Das PERMA-Modell eignet sich für Menschen, die ihre aktuelle Lebens- oder Arbeitssituation strukturiert reflektieren möchten und bereit sind, unterschiedliche Einflussfaktoren auf ihr Wohlbefinden genauer zu betrachten.
Im Karriere- und Business-Coaching kann es bei beruflicher Neuorientierung, Fragen zur Arbeitszufriedenheit oder anstehenden Entscheidungen eingesetzt werden.
Im Führungskräftecoaching eröffnet das Modell zusätzlich eine interessante Perspektive auf die eigene Führungsrolle. Führungskräfte können reflektieren, welche Bedingungen sie selbst für gutes Arbeiten benötigen und wie Faktoren wie Engagement, Beziehungen, Sinn oder Selbstwirksamkeit in ihrem Arbeitsumfeld erlebt werden.
Auch für eine persönliche Standortbestimmung eignet sich PERMA gut, weil das Modell genügend Struktur bietet, ohne das Ergebnis vorzugeben. Entscheidend bleibt, welche Bedeutung die fünf Bereiche für die einzelne Person haben.
Fazit
Das PERMA-Modell bietet einen gut verständlichen und zugleich differenzierten Zugang zum Thema Wohlbefinden. Mit den fünf Bereichen Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinn und Zielerreichung lassen sich unterschiedliche Aspekte der eigenen Lebens- und Arbeitssituation systematisch betrachten.
Für die Coachingarbeit schätze ich vor allem den strukturierten Blick, den das Modell ermöglicht. Aus einer zunächst allgemeinen Unzufriedenheit können konkretere Fragestellungen entstehen. Gleichzeitig werden Ressourcen und bereits funktionierende Bereiche sichtbar, die für weitere Veränderungen genutzt werden können.
Besonders sinnvoll finde ich dabei, die fünf Dimensionen als Orientierung zu verstehen. Ihre Bedeutung und Gewichtung sind individuell und können sich je nach Lebensphase verändern. Genau deshalb eignet sich PERMA gut als Ausgangspunkt für ein differenziertes Gespräch darüber, was für die eigene Zufriedenheit und Entwicklung aktuell relevant ist.
FAQ zum PERMA-Modell
Was bedeutet PERMA?
PERMA ist ein Akronym für fünf Elemente des Wohlbefindens: Positive Emotions, Engagement, Relationships, Meaning und Accomplishment. Auf Deutsch lassen sie sich als positive Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinn und Zielerreichung beziehungsweise Erfolgserleben übersetzen.
Wer hat das PERMA-Modell entwickelt?
Das PERMA-Modell wurde vom US-amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman entwickelt. Seligman gehört zu den prägenden Vertretern der Positiven Psychologie und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, welche Faktoren menschliches Wohlbefinden und persönliche Entwicklung fördern.
Was ist das Ziel des PERMA-Modells?
Das Modell beschreibt fünf Faktoren, die zum menschlichen Wohlbefinden beitragen. Im Coaching kann es genutzt werden, um die aktuelle Situation differenziert zu reflektieren, Ressourcen zu erkennen und mögliche Entwicklungsfelder genauer zu bestimmen.
Wie kann das PERMA-Modell im Coaching eingesetzt werden?
Eine Möglichkeit besteht darin, die fünf PERMA-Bereiche einzeln zu betrachten und die aktuelle Zufriedenheit jeweils auf einer Skala einzuschätzen. Anschließend werden die Bewertungen gemeinsam reflektiert. Dabei stehen vor allem die individuellen Gründe hinter den Einschätzungen und mögliche Ansatzpunkte für Veränderungen im Mittelpunkt.
Müssen alle fünf PERMA-Bereiche gleich stark ausgeprägt sein?
Nein. Menschen unterscheiden sich darin, welche Bereiche für ihr Wohlbefinden besonders wichtig sind. Auch Lebensphase, persönliche Werte und aktuelle Rahmenbedingungen können die Gewichtung verändern. Im Coaching geht es deshalb darum, die individuelle Situation zu verstehen und passende Schwerpunkte zu setzen.
Ist das PERMA-Modell wissenschaftlich fundiert?
Das PERMA-Modell stammt aus der Positiven Psychologie und basiert auf Seligmans Theorie des Wohlbefindens. Die einzelnen Dimensionen und ihre Zusammenhänge mit Wohlbefinden wurden in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen aufgegriffen. Gleichzeitig ist PERMA ein theoretisches Modell und im Coaching vor allem als strukturierender Reflexionsrahmen zu verstehen.
Möchtest du deine eigene Situation mit dem PERMA-Modell betrachten?
Manchmal ist klar, dass sich beruflich oder persönlich etwas verändern soll, während die entscheidende Frage noch offen ist: Was genau fehlt mir eigentlich und was brauche ich stattdessen?
Das PERMA-Modell kann dabei helfen, diese Frage differenzierter zu betrachten. Im Coaching können wir gemeinsam herausarbeiten, welche Faktoren für deine aktuelle Situation besonders relevant sind, welche Ressourcen bereits vorhanden sind und wo sich konkrete Ansatzpunkte für eine Veränderung zeigen.
Wenn du herausfinden möchtest, welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sind, findest du weitere Informationen zu meinem Coaching-Angebot auf meiner Website.
Eure Johanna





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