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Psychologische Sicherheit -

  • Autorenbild: Johanna Wegner
    Johanna Wegner
  • 29. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Warum sie heute wichtiger ist denn je


In vielen Unternehmen wird heute über Vertrauen, Fehlerkultur und offene Kommunikation gesprochen. Gleichzeitig erleben viele Mitarbeitende etwas anderes.

Sie überlegen zweimal, bevor sie eine kritische Frage stellen.

Sie sprechen Unsicherheiten lieber nicht an.

Sie äußern Ideen erst dann, wenn sie sich sicher sind, dass diese gut aufgenommen werden.

Sie haben Angst davor, Fehler zu machen oder Schwächen zu zeigen.

Oder sie stimmen einer Entscheidung zu, obwohl sie Zweifel haben.

Häufig steckt dahinter nicht fehlendes Interesse oder mangelndes Engagement. Vielmehr möchten Menschen vermeiden, kritisiert, bloßgestellt oder negativ bewertet zu werden.

Genau hier setzt das Konzept der psychologischen Sicherheit an.

Es beschreibt eine Arbeitsumgebung, in der Menschen ihre Gedanken, Fragen, Ideen oder auch Fehler offen ansprechen können, ohne Angst vor Bloßstellung, Abwertung oder negativen persönlichen Konsequenzen zu haben.

Gerade in einer Arbeitswelt, die von Veränderung, Komplexität und Zusammenarbeit geprägt ist, gilt psychologische Sicherheit heute als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für leistungsfähige Teams.

 

Was bedeutet psychologische Sicherheit?

Der Begriff der psychologischen Sicherheit wurde maßgeblich durch die Organisationspsychologin Amy Edmondson geprägt.

Sie beschreibt psychologische Sicherheit als die gemeinsame Überzeugung eines Teams, dass zwischenmenschliche Risiken eingegangen werden können, ohne dafür bestraft, bloßgestellt oder ausgegrenzt zu werden.

Das bedeutet beispielsweise,

  • Fragen stellen zu können,

  • Fehler offen anzusprechen,

  • unterschiedliche Meinungen zu äußern,

  • Unsicherheiten zuzugeben,

  • um Unterstützung zu bitten,

  • oder neue Ideen einzubringen.

Psychologische Sicherheit beschreibt dabei kein individuelles Persönlichkeitsmerkmal. Sie entsteht im Miteinander und prägt die Art und Weise, wie Menschen in einem Team zusammenarbeiten.

Je sicherer sich Mitarbeitende fühlen, desto eher bringen sie ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Perspektiven aktiv ein.


Psychologische Sicherheit

 

Was psychologische Sicherheit nicht bedeutet

Rund um das Thema gibt es einige Missverständnisse.

Psychologische Sicherheit bedeutet nicht,

  • dass immer Harmonie herrscht,

  • Konflikte vermieden werden,

  • jede Idee umgesetzt wird,

  • Leistung keine Rolle mehr spielt,

  • oder kritisches Feedback unterbleibt.

Ebenso wenig handelt es sich um eine reine Wohlfühlkultur, in der niemand mehr widersprechen darf.

Im Gegenteil.

Gerade in psychologisch sicheren Teams werden unterschiedliche Meinungen ausgesprochen, kritische Fragen gestellt und Entscheidungen konstruktiv hinterfragt.

Der Unterschied liegt darin, wie miteinander umgegangen wird.

Respektvolle Diskussionen ersetzen persönliche Angriffe. Unterschiedliche Perspektiven werden als Beitrag zum gemeinsamen Lernen verstanden und nicht als Bedrohung.

Hohe psychologische Sicherheit und hohe Leistungsansprüche schließen sich deshalb nicht aus. Vielmehr ergänzen sie sich.

 

Warum psychologische Sicherheit heute so wichtig ist

Viele Herausforderungen im Arbeitsalltag entstehen nicht durch fehlendes Fachwissen.

Sie entstehen, weil Wissen nicht geteilt wird.

Mitarbeitende sprechen Risiken nicht an.

Sie stellen keine Fragen.

Sie äußern Bedenken nicht.

Oder sie verschweigen Fehler aus Sorge vor negativen Konsequenzen.

Kurzfristig mag das nach außen harmonisch wirken. Langfristig entstehen dadurch Missverständnisse, Fehlentscheidungen und verpasste Chancen.

Psychologische Sicherheit schafft dagegen die Grundlage dafür, dass Informationen offen ausgetauscht werden und Teams voneinander lernen können.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch das Forschungsprojekt Project Aristotle von Google. Ziel der Studie war es herauszufinden, warum manche Teams erfolgreicher zusammenarbeiten als andere.

Das überraschende Ergebnis: Nicht die individuelle fachliche Kompetenz der Teammitglieder war der entscheidende Erfolgsfaktor, sondern die Qualität der Zusammenarbeit. Der wichtigste Einflussfaktor war dabei die psychologische Sicherheit.

Teams arbeiteten erfolgreicher, wenn ihre Mitglieder sich trauten,

  • Fragen zu stellen,

  • Fehler anzusprechen,

  • unterschiedliche Meinungen einzubringen,

  • und auch Unsicherheiten offen zu kommunizieren.

Gerade in einer Arbeitswelt, die von Veränderung, Innovation und interdisziplinärer Zusammenarbeit geprägt ist, gewinnt psychologische Sicherheit deshalb zunehmend an Bedeutung.

 

Welche Rolle Führung spielt

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Leitbilder oder Unternehmenswerte allein.

Sie entwickelt sich im täglichen Miteinander.

Führungskräfte haben darauf einen erheblichen Einfluss.

Zum Beispiel dadurch, dass sie

  • aktiv zuhören,

  • unterschiedliche Perspektiven ausdrücklich einladen,

  • Fragen wertschätzen,

  • eigene Fehler offen ansprechen,

  • Unsicherheiten zugeben,

  • und Kritik als Chance zum Lernen verstehen.

Ebenso wichtig ist jedoch das Verhalten aller Teammitglieder.

Psychologische Sicherheit ist keine Aufgabe einzelner Personen, sondern entsteht durch das Zusammenspiel aller Beteiligten.

Jede Reaktion auf eine Frage, einen Fehler oder eine kritische Rückmeldung trägt dazu bei, ob Menschen sich künftig wieder äußern oder lieber schweigen.

 

Woran erkennt man psychologische Sicherheit?

Psychologische Sicherheit lässt sich nicht direkt messen. Sie zeigt sich vielmehr im Verhalten eines Teams.

Ein Team mit hoher psychologischer Sicherheit zeichnet sich häufig dadurch aus, dass Mitarbeitende

  • Fragen stellen, ohne Sorge, unkompetent zu wirken,

  • unterschiedliche Meinungen äußern,

  • Fehler offen ansprechen,

  • Unterstützung einfordern,

  • Ideen frühzeitig teilen,

  • und konstruktiv miteinander diskutieren.

Auch in diesen Teams passieren Fehler und entstehen Konflikte. Der Unterschied liegt darin, dass Lernen wichtiger ist als Recht zu behalten.

 

Kann psychologische Sicherheit entwickelt werden?

Ja.

Psychologische Sicherheit ist keine feste Eigenschaft eines Teams.

Sie entwickelt sich durch viele kleine Verhaltensweisen im Alltag.

Dazu gehören beispielsweise

  • echtes Interesse an unterschiedlichen Perspektiven,

  • regelmäßige Reflexion,

  • eine konstruktive Feedbackkultur,

  • offene Fragen statt vorschneller Bewertungen,

  • und ein bewusster Umgang mit Fehlern.

Oft sind es gerade diese scheinbar kleinen Verhaltensweisen, die langfristig darüber entscheiden, ob Menschen ihre Ideen einbringen oder lieber zurückhalten.

 

Fazit

Psychologische Sicherheit beschreibt eine Arbeitsumgebung, in der Menschen ihre Gedanken, Fragen, Ideen und Fehler offen ansprechen können, ohne negative persönliche Konsequenzen befürchten zu müssen.

Sie bedeutet weder Harmonie noch den Verzicht auf Leistung. Vielmehr schafft sie die Grundlage für Vertrauen, Lernen, Innovation und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Gerade in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt reicht fachliche Kompetenz allein häufig nicht mehr aus. Entscheidend ist auch, ob Menschen ihr Wissen teilen, unterschiedliche Perspektiven einbringen und gemeinsam Lösungen entwickeln können.

Psychologische Sicherheit bildet dafür eine wichtige Voraussetzung.


Im nächsten Beitrag werfen wir einen Blick auf die vier Stufen psychologischer Sicherheit nach Timothy R. Clark und zeigen, wie sich psychologische Sicherheit Schritt für Schritt entwickeln kann.


Eure Johanna

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