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Das Team Canvas

Autorenbild: Johanna Wegner
Johanna Wegner
vor 11 Minuten
6 Min. Lesezeit

Methoden-Montag: Team Canvas – Zusammenarbeit im Team gemeinsam klären und gestalten

Wie arbeiten wir eigentlich als Team zusammen? Was wollen wir gemeinsam erreichen, wer übernimmt welche Rolle und welche Erwartungen haben wir aneinander? Im Arbeitsalltag werden solche Fragen häufig erst dann ausführlicher besprochen, wenn Unklarheiten oder Konflikte entstanden sind. Das Team Canvas bietet einen strukturierten Rahmen, um zentrale Aspekte der Zusammenarbeit gemeinsam zu betrachten und konkrete Vereinbarungen zu treffen. Damit eignet sich die Methode sowohl für neu zusammengestellte Teams und Projektgruppen als auch für Teams, die ihre bestehende Zusammenarbeit reflektieren und weiterentwickeln möchten.


Methoden-Steckbrief

Methode: Team CanvasEinsatzbereich: Teamcoaching, Teamentwicklung, Projektstart, Rollenklärung, ZusammenarbeitGeeignet für: neue und bestehende Teams, Projektteams, FührungsteamsDauer: ca. 30 bis 45 Minuten für die Basisversion, für eine vertiefte Bearbeitung entsprechend längerMaterial: ausgedrucktes Team Canvas oder große Visualisierung auf Flipchart beziehungsweise Whiteboard, Moderationskarten oder Haftnotizen, StifteOnline: gut über digitale Whiteboards einsetzbarZiel: ein gemeinsames Verständnis von Zielen, Rollen, Werten, Erwartungen und Formen der Zusammenarbeit entwickeln


Was ist das Team Canvas?

Das Team Canvas ist ein visuelles Framework zur strukturierten Reflexion und Gestaltung von Zusammenarbeit. Entwickelt wurde es von Alex Ivanov und Mitya Voloshchuk und vom Prinzip des Business Model Canvas inspiriert.

Die Grundidee ist einfach: Wichtige Fragen der Zusammenarbeit werden auf einer gemeinsamen Fläche sichtbar gemacht und gemeinsam beantwortet. Dadurch entsteht ein Gesamtbild des Teams, das unterschiedliche Perspektiven ebenso zeigt wie bereits vorhandene Übereinstimmungen.

Die Basisversion konzentriert sich auf fünf zentrale Bereiche:

  • Purpose: Warum gibt es dieses Team und wofür arbeitet es gemeinsam?

  • Ziele: Was möchte das Team erreichen?

  • Rollen und Fähigkeiten: Wer übernimmt welche Rolle und welche Kompetenzen sind im Team vorhanden?

  • Werte: Welche Prinzipien sind für die Zusammenarbeit wichtig?

  • Regeln und Aktivitäten: Wie möchte das Team konkret zusammenarbeiten, kommunizieren und Entscheidungen treffen?

Die ausführliche Version ergänzt weitere Aspekte wie persönliche Ziele, Stärken und Ressourcen, Entwicklungsbereiche sowie Bedürfnisse und Erwartungen.

Gerade diese Verbindung aus sachlichen und zwischenmenschlichen Themen macht das Team Canvas für das Coaching interessant. Aufgaben und Ziele werden ebenso betrachtet wie die Art, in der Menschen miteinander arbeiten wollen.


Das Team Canvas

Aufbau und Durchführung

Für die Arbeit mit dem Team Canvas wird die Vorlage für alle sichtbar zur Verfügung gestellt. Im Präsenzformat kann das ein großes Plakat oder Flipchart sein, online eignet sich ein digitales Whiteboard.

Anschließend werden die einzelnen Bereiche gemeinsam bearbeitet.

Beim Purpose geht es um die übergeordnete Frage: Warum gibt es uns als Team? Welchen Beitrag leisten wir gemeinsam?

Bei den Zielen wird konkretisiert, was das Team erreichen möchte. Dabei lohnt sich die Frage, ob alle tatsächlich dasselbe unter dem gemeinsamen Ziel verstehen.

Im Bereich Rollen und Fähigkeiten werden Verantwortlichkeiten und vorhandene Kompetenzen betrachtet. Neben formalen Rollen können hier auch Aufgaben oder informelle Verantwortlichkeiten sichtbar werden, die sich im Alltag entwickelt haben.

Die Werte richten den Blick auf die Grundsätze der Zusammenarbeit. Begriffe allein reichen dabei aus meiner Sicht kaum aus. Interessanter wird die Arbeit, wenn das Team konkretisiert, woran beispielsweise Verlässlichkeit, Offenheit oder Eigenverantwortung im Arbeitsalltag erkennbar sind.

Bei den Regeln und Aktivitäten geht es schließlich um konkrete Vereinbarungen: Wie kommunizieren wir miteinander? Wie treffen wir Entscheidungen? Wie informieren wir uns gegenseitig? Wie gehen wir mit unterschiedlichen Meinungen um? Und wie überprüfen wir, ob unsere Zusammenarbeit weiterhin zu unseren Aufgaben passt?


Der Ablauf im Coaching

Im Teamcoaching nutze ich das Canvas vor allem als Gesprächsstruktur. Das ausgefüllte Poster ist dabei weniger das eigentliche Ziel. Entscheidend ist der Austausch, der beim Ausfüllen entsteht.

Zu Beginn sollte geklärt werden, was das Team mit der Arbeit am Canvas erreichen möchte. Bei einem neu zusammengestellten Team kann beispielsweise die Orientierung im Vordergrund stehen. Bei einem bestehenden Team können Rollenunklarheiten, veränderte Aufgaben oder die Zusammenarbeit nach einer Reorganisation Anlass für die Arbeit sein.

Anschließend bearbeiten die Teammitglieder die einzelnen Felder. Je nach Gruppe kann zunächst jede Person für sich Gedanken auf Haftnotizen festhalten. Danach werden die Beiträge zusammengetragen, erläutert und diskutiert.

Als Coach oder Moderatorin achte ich dabei besonders auf Unterschiede in den Perspektiven. Wenn mehrere Teammitglieder dasselbe Ziel unterschiedlich beschreiben, ist genau diese Differenz interessant. Gleiches gilt für Rollen, Erwartungen oder Regeln, die einzelne Personen bislang als selbstverständlich angesehen haben.

Hilfreiche Fragen können beispielsweise sein:

  • Was verstehen wir jeweils unter diesem Ziel?

  • Wo sind Verantwortlichkeiten eindeutig und wo gibt es Überschneidungen?

  • Welche Erwartungen haben wir aneinander bislang kaum ausgesprochen?

  • Woran erkennen wir unsere Werte konkret im Arbeitsalltag?

  • Wie treffen wir Entscheidungen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind?

  • Welche Vereinbarungen brauchen wir für unsere Kommunikation?

  • Was möchten wir künftig anders handhaben?

Am Ende werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und in konkrete Vereinbarungen übersetzt. Sinnvoll ist außerdem, einen Zeitpunkt festzulegen, an dem das Team sein Canvas erneut betrachtet.


Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Projektteam arbeitet seit einigen Monaten zusammen. Die fachlichen Kompetenzen sind vorhanden und die Aufgaben grundsätzlich verteilt. Trotzdem kommt es regelmäßig zu Verzögerungen und Missverständnissen.

Bei der Arbeit mit dem Team Canvas zeigt sich, dass die Teammitglieder unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wer bei bestimmten Themen Entscheidungen treffen darf. Einige gehen davon aus, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Andere erwarten eine Entscheidung durch die Projektleitung.

Im Bereich „Regeln und Aktivitäten“ kann das Team deshalb konkret festlegen, welche Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, wo einzelne Rollen entscheiden und wie das Team über Entscheidungen informiert wird.

Das Beispiel zeigt einen wesentlichen Nutzen der Methode: Ein zunächst eher allgemeines Gefühl, dass die Zusammenarbeit an manchen Stellen schwierig ist, lässt sich in konkrete Themen und Vereinbarungen übersetzen.


Warum das Team Canvas so hilfreich sein kann

Zusammenarbeit basiert auf zahlreichen Annahmen. Wir gehen davon aus, dass andere wissen, was wir unter guter Kommunikation verstehen, wie verbindlich Absprachen sind oder wer sich für eine Aufgabe verantwortlich fühlt.

Solange diese Vorstellungen übereinstimmen, fällt das kaum auf. Unterschiede werden häufig erst sichtbar, wenn etwas im Arbeitsprozess stockt.

Das Team Canvas schafft einen Anlass, diese impliziten Vorstellungen gemeinsam zu besprechen. Dadurch können Teams frühzeitig erkennen, an welchen Stellen bereits ein gemeinsames Verständnis besteht und wo Klärungsbedarf vorhanden ist.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Visualisierung. Die verschiedenen Aspekte stehen nebeneinander und können miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ein Team kann beispielsweise feststellen, dass seine Ziele klar formuliert sind, die Verantwortlichkeiten dafür jedoch noch nicht ausreichend geklärt wurden. Oder dass ein Wert wie Eigenverantwortung genannt wird, bestehende Entscheidungsprozesse dazu jedoch nur bedingt passen.

Genau an solchen Stellen entsteht eine gute Grundlage für vertiefende Gespräche im Teamcoaching.


Für wen eignet sich das Team Canvas?

Besonders sinnvoll ist die Methode für Teams, die neu starten oder deren Rahmenbedingungen sich verändert haben. Das kann bei einem neuen Projekt, einer veränderten Teamzusammensetzung, einem Wechsel in der Führung oder einer organisatorischen Veränderung der Fall sein.

Auch etablierte Teams können mit dem Canvas ihre Zusammenarbeit überprüfen. Dabei lässt sich beispielsweise betrachten, ob frühere Vereinbarungen weiterhin passen und welche Themen inzwischen neu geklärt werden sollten.

Bei bereits stark eskalierten Konflikten braucht es allerdings häufig zunächst einen anderen Rahmen. Ein Canvas allein löst keine tieferliegenden Konflikte. Es kann im weiteren Prozess jedoch helfen, gemeinsame Vereinbarungen für die zukünftige Zusammenarbeit zu entwickeln.


Fazit

Das Team Canvas ist eine übersichtliche und gleichzeitig vielseitige Methode für die Teamentwicklung. Es strukturiert Fragen, die im Arbeitsalltag leicht vorausgesetzt werden: Wofür sind wir gemeinsam verantwortlich? Was wollen wir erreichen? Wer übernimmt welche Rolle? Welche Prinzipien sind uns wichtig und wie organisieren wir unsere Zusammenarbeit konkret?

Seine Stärke liegt für mich vor allem im gemeinsamen Prozess. Das Canvas macht unterschiedliche Sichtweisen sichtbar und bietet einen Rahmen, in dem daraus konkrete Vereinbarungen entstehen können.

Und genau diese Vereinbarungen können im Alltag einen erheblichen Unterschied machen.

Wenn du mit deinem Team Rollen, Erwartungen oder die gemeinsame Zusammenarbeit reflektieren möchtest, kann ein moderierter Team-Canvas-Prozess ein guter Ausgangspunkt sein. Im Teamcoaching begleite ich Teams dabei, diese Fragen strukturiert zu bearbeiten und daraus Vereinbarungen zu entwickeln, die zum jeweiligen Arbeitskontext passen.


Eure Johanna


FAQ zum Team Canvas

Was ist ein Team Canvas?Das Team Canvas ist ein visuelles Framework zur Reflexion und Gestaltung von Zusammenarbeit. Es betrachtet unter anderem gemeinsame Ziele, Rollen, Werte, den Zweck des Teams sowie Regeln der Zusammenarbeit.

Wann eignet sich das Team Canvas?Es eignet sich unter anderem beim Start neuer Teams oder Projekte, bei Veränderungen in der Teamzusammensetzung und zur regelmäßigen Reflexion bestehender Zusammenarbeit.

Wie lange dauert ein Team-Canvas-Workshop?Die Basisversion lässt sich laut den Entwicklern in etwa 30 bis 45 Minuten durchführen. Für eine intensivere Arbeit mit bestehenden Teams sollte deutlich mehr Zeit eingeplant werden.

Kann das Team Canvas online durchgeführt werden?Ja. Die Methode lässt sich sehr gut auf einem digitalen Whiteboard bearbeiten. Wichtig ist auch online, dass alle Teammitglieder ihre Perspektiven einbringen können.

Was ist der Unterschied zwischen Team Canvas Basic und Team Canvas Complete?Die Basisversion konzentriert sich auf Purpose, Ziele, Rollen beziehungsweise Fähigkeiten, Werte sowie Regeln und Aktivitäten. Die ausführlichere Variante ergänzt unter anderem persönliche Ziele, Stärken, Entwicklungsbereiche sowie Bedürfnisse und Erwartungen.

Kann das Team Canvas Konflikte lösen?Das Canvas kann unterschiedliche Erwartungen und Sichtweisen sichtbar und damit besprechbar machen. Bei tiefergehenden oder bereits eskalierten Konflikten braucht es in der Regel zusätzliche Methoden und eine entsprechend angelegte Konfliktmoderation.

 
 
 

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