Die 3-Stühle-Methode
Methoden-Montag: Die 3-Stühle-Methode - Wenn das Worst-Case-Szenario die Entscheidung blockiert
Manche Entscheidungen wirken deshalb so schwer, weil wir innerlich längst beim schlimmsten möglichen Ausgang angekommen sind. Noch bevor wir einen Schritt gehen, beschäftigen wir uns mit dem, was schiefgehen könnte: die falsche Entscheidung zu treffen, zu scheitern, andere zu enttäuschen oder Sicherheit zu verlieren.
Das Problem dabei ist, dass viele dieser Gedanken diffus bleiben. Sie laufen im Hintergrund mit, beeinflussen unsere Entscheidungen und erzeugen Druck, ohne dass wir sie bewusst prüfen.
Genau hier kann die 3-Stühle-Methode hilfreich sein. Sie schafft einen strukturierten Raum, um Entscheidungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und besonders auch die eigenen Befürchtungen greifbarer zu machen. Dadurch entsteht oft wieder mehr Klarheit, Differenzierung und Handlungsspielraum.
Was ist die 3-Stühle-Methode?
Die 3-Stühle-Methode ist eine erlebnisorientierte Coaching-Methode, die vor allem bei Entscheidungsfragen eingesetzt wird. Statt ausschließlich über eine Situation zu sprechen, werden unterschiedliche Perspektiven körperlich erlebt.
Der Coachee nimmt dabei nacheinander auf drei verschiedenen Stühlen Platz. Jeder Stuhl steht symbolisch für eine bestimmte Sichtweise oder innere Position. Mehr dazu könnt ihr hier lesen.
Heute möchte ich die Methode etwas abwandeln. In dieser hier beschriebenen Variante der Methode liegt der Fokus auf dem sogenannten Worst-Case-Szenario: also auf den Befürchtungen, die Entscheidungen häufig blockieren oder verzögern.
Die drei Stühle können dabei beispielsweise folgende Rollen einnehmen:
Stuhl 1: Die gewünschte Entscheidung oder der mutige nächste Schritt
Stuhl 2: Das Worst-Case-Szenario
Stuhl 3: Die Beobachter- oder Reflexionsperspektive
Durch den Wechsel zwischen den Positionen entsteht Abstand zum eigenen Gedankenkarussell. Gefühle, Bewertungen und innere Dynamiken werden häufig klarer wahrnehmbar.

Aufbau und Durchführung
Zu Beginn werden gemeinsam mit dem Coach das Thema und die konkrete Entscheidungssituation eingeordnet.
Wichtig ist dabei vor allem die Frage: Was genau blockiert die Entscheidung?
Oft zeigt sich schnell, dass weniger die Entscheidung selbst schwierig ist als die Vorstellung möglicher Konsequenzen.
Anschließend werden die drei Stühle im Raum positioniert.
Stuhl 1: Die Entscheidung
Der Coachee setzt sich auf den ersten Stuhl und erlebt die Situation so, als wäre die Entscheidung bereits getroffen.
Der Coach begleitet mit Fragen wie:
Wie fühlt sich diese Entscheidung an?
Was verändert sich?
Welche Gedanken oder Körperempfindungen tauchen auf?
Was wirkt stimmig, was eher angespannt?
Stuhl 2: Das Worst-Case-Szenario
Auf dem zweiten Stuhl bekommt die größte Befürchtung bewusst Raum.
Hier geht es nicht darum, Angst zu verstärken, sondern sie ganz konkret zu betrachten.
Mögliche Fragen:
Was wäre im schlimmsten Fall passiert?
Wovor genau hast du Angst?
Was daran wäre schwierig?
Was wäre trotzdem bewältigbar?
Welche Ressourcen oder Handlungsmöglichkeiten hättest du weiterhin?
Gerade dieser Schritt wird häufig als entlastend erlebt. Diffuse Sorgen werden konkreter – und dadurch oft realistischer einschätzbar.
Stuhl 3: Die Beobachterperspektive
Der dritte Stuhl dient der Reflexion und Einordnung.
Mit etwas Abstand entsteht häufig ein differenzierterer Blick auf die Situation.
Fragen können hier sein:
Was wirkt realistisch?
Was erscheint eher wie eine Projektion?
Welche Perspektive fehlt bisher noch?
Welche Entscheidung wirkt jetzt klarer?
Warum diese Methode so wirkungsvoll ist
Viele Menschen versuchen, Unsicherheit gedanklich zu kontrollieren. Sie analysieren, planen, wägen Risiken ab und bleiben trotzdem innerlich blockiert.
Die 3-Stühle-Methode arbeitet deshalb nicht nur auf kognitiver Ebene, sondern bezieht auch emotionale und körperliche Reaktionen mit ein.
Besonders die bewusste Auseinandersetzung mit dem Worst-Case-Szenario kann hilfreich sein, weil Ängste dadurch ihre diffuse Wirkung verlieren.
Statt einer unklaren inneren Bedrohung entsteht etwas Konkretes, das reflektiert werden kann.
Die Methode unterstützt dabei:
Gedanken zu sortieren
emotionale Reaktionen bewusster wahrzunehmen
Risiken realistischer einzuschätzen
neue Handlungsspielräume zu erkennen
Entscheidungen differenzierter zu betrachten
Für wen eignet sich die Methode?
Die 3-Stühle-Methode eignet sich besonders für Menschen, die:
vor wichtigen Entscheidungen stehen
sich im Grübeln verlieren
berufliche Veränderungen abwägen
zwischen Sicherheitsbedürfnis und Veränderungswunsch schwanken
oder sich durch mögliche Konsequenzen blockiert fühlen
Auch im Coaching mit Führungskräften oder bei Veränderungsprozessen kann die Methode sehr hilfreich sein, etwa bei Rollenwechseln, Sichtbarkeitsthemen oder strategischen Entscheidungen.
Fazit
Die 3-Stühle-Methode zeigt, dass Entscheidungen oft weniger an fehlender Klarheit scheitern als an ungeprüften Befürchtungen.
Indem das Worst-Case-Szenario bewusst betrachtet wird, entsteht häufig wieder mehr Ruhe und Differenzierung. Die Angst verschwindet dadurch nicht automatisch – sie wird jedoch greifbarer und damit besser einordenbar.
Und genau das schafft oft die Grundlage für stimmige Entscheidungen.
👉 Wenn du dich gerade in einer Entscheidung festgefahren fühlst oder zwischen Sicherheit und Veränderung schwankst, begleite ich dich gerne dabei, neue Perspektiven für deine Situation zu entwickeln. Kontakt
Eure Johanna





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