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Die drei Kreise des Einflusses

  • Autorenbild: Johanna Wegner
    Johanna Wegner
  • 30. März
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Apr.

Methoden-Montag: Die drei Kreise des Einflusses – Klarheit über Verantwortung und Wirksamkeit


In herausfordernden Zeiten entsteht Überforderung selten durch die reine Menge an Aufgaben, sondern durch die diffuse Vermischung von Verantwortung, Einfluss und Ohnmacht.

Viele Menschen – insbesondere Führungskräfte – tragen gedanklich Themen mit sich, die außerhalb ihres tatsächlichen Einflussbereichs liegen. Sie grübeln, ärgern sich, übernehmen innerlich Verantwortung für Entwicklungen, die sie weder steuern noch verändern können.


Die Methode der Drei Kreise des Einflusses nach Stephen R. Covey schafft hier eine wohltuende Klarheit. Sie unterscheidet präzise zwischen dem, was wir kontrollieren können, dem, worauf wir Einfluss nehmen können – und dem, was wir akzeptieren müssen.

Diese Differenzierung ist kein theoretisches Konstrukt. Sie verändert Haltung, Energieeinsatz und letztlich die Qualität von Führung und Selbstführung.

 

Was sind die drei Kreise des Einflusses?

Das Modell basiert auf einer klaren, leicht erfassbaren Struktur: Drei ineinanderliegende Bereiche, die unterschiedliche Grade von Verantwortung und Handlungsmacht sichtbar machen.


Die drei Kreise des Einflusses - Circle of Influence

 

1. Der innere Kreis – Kontrolle

Im inneren Kreis befinden sich alle Aspekte, die vollständig in unserer Verantwortung liegen. Hier haben wir unmittelbare Gestaltungsmacht.

Dazu zählen unter anderem:

  • unsere Entscheidungen

  • unsere Kommunikation

  • unsere Prioritätensetzung

  • unsere Reaktionen auf Situationen

  • unsere innere Haltung

Dieser Bereich betrifft im Wesentlichen uns selbst – und nur wir können hier tatsächlich Veränderung herbeiführen.

Er ist der Kern persönlicher Wirksamkeit und erinnert uns daran, dass wir nicht für alles verantwortlich sind – aber sehr wohl für unser eigenes Handeln.

 

2. Der mittlere Kreis – Einfluss

Der mittlere Kreis umfasst Themen, auf die wir Einfluss nehmen können, ohne sie vollständig zu kontrollieren.

Hier bewegen wir uns im relationalen Raum: Zusammenarbeit, Teamdynamiken, Kundenbeziehungen, Veränderungsprozesse oder strategische Diskussionen.

Wir können Impulse setzen, argumentieren, moderieren, Perspektiven eröffnen. Doch das Ergebnis entsteht im Zusammenspiel mit anderen – und entzieht sich damit unserer vollständigen Steuerung.

Gerade in Führungsrollen wird dieser Bereich häufig überschätzt oder missverstanden. Einfluss bedeutet nicht Kontrolle. Und genau hier liegt oft die Quelle von Frustration.

 

3. Der äußere Kreis – kein Einfluss

Der äußere Kreis umfasst alle Faktoren, die sich unserem direkten oder indirekten Einfluss entziehen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • bereits getroffene Unternehmensentscheidungen

  • strukturelle Rahmenbedingungen

  • das Verhalten einzelner Personen

  • externe Marktveränderungen

Akzeptanz bedeutet hier nicht Resignation. Sie bedeutet, die Realität klar anzuerkennen und Energie nicht dort zu investieren, wo sie keine Wirkung entfalten kann. Diese bewusste Entscheidung zur Abgrenzung ist kein Rückzug, sondern ein Akt professioneller Selbstführung – und oft die Voraussetzung für innere Stabilität.

 

Aufbau und Durchführung der Methode

In der praktischen Arbeit zeichne ich gemeinsam mit meinen Klient*innen drei konzentrische Kreise auf ein Blatt oder Flipchart. Anschließend sammeln wir konkrete Themen, Belastungen oder Fragestellungen aus dem aktuellen beruflichen Kontext.

Jedes Thema wird anschließend einem Kreis zugeordnet.

Dieser Schritt ist oft der entscheidende Wendepunkt: Denn was zuvor diffus belastend wirkte, erhält plötzlich Struktur.


Im nächsten Schritt reflektieren wir gemeinsam:

  • Wo investiere ich aktuell unverhältnismäßig viel Energie?

  • Welche Themen gehören klar in meinen Verantwortungsbereich?

  • Wo kann ich gezielt Einfluss nehmen – ohne mich für das Ergebnis verantwortlich zu machen?

  • Welche Themen entziehen sich meinem Einfluss – und wie kann ich lernen, sie anzuerkennen, ohne weiterhin Energie in ihren Widerstand zu investieren?

Die Methode wirkt dabei weniger durch Komplexität als durch Präzision.

 

Der Einsatz im Coaching

Ich nutze die Drei Kreise des Einflusses insbesondere in folgenden Kontexten:

  • bei Führungskräften mit hohem Verantwortungsdruck

  • in Veränderungsprozessen

  • bei Entscheidungsunsicherheit

  • bei Konfliktsituationen

  • bei anhaltendem Stress oder mentaler Überlastung

Die visuelle Struktur unterstützt dabei, Verantwortung differenziert zu betrachten. Viele Klient*innen erleben bereits während der Übung eine spürbare Entlastung. Nicht, weil sich die äußeren Umstände verändern, sondern weil sich ihre Perspektive verändert.

 

Praxisbeispiel

Eine Bereichsleiterin kam mit dem Gefühl ins Coaching, „ständig zwischen allen Erwartungen zu stehen“. Sie fühlte sich verantwortlich für die Motivation ihres Teams, für strategische Entscheidungen der Geschäftsführung und für die Stimmung im gesamten Bereich.

Im Prozess der Zuordnung wurde deutlich:

  • Ihre eigene Kommunikation, Priorisierung und Führungspräsenz lagen im inneren Kreis.

  • Die Motivation einzelner Teammitglieder befand sich im Einflussbereich.

  • Strategische Entscheidungen der Geschäftsführung lagen außerhalb ihres Einflusses.

Allein diese Differenzierung führte zu einer deutlichen Entlastung. Statt diffusem Verantwortungsgefühl entstand eine klare Fokussierung auf konkrete Handlungsoptionen.

 

Warum diese Methode so wirkungsvoll ist

Die Drei Kreise des Einflusses stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit – ein zentraler Faktor für Resilienz und psychische Stabilität.

Sie helfen dabei:

  • Verantwortung realistisch einzuordnen

  • Energie gezielt einzusetzen

  • Entscheidungsfähigkeit zu stärken

  • innere Abgrenzung zu entwickeln

  • Führungsrollen klarer zu definieren

Gerade in komplexen Systemen ist diese Klarheit kein Luxus, sondern Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit.

 

Für wen eignet sich die Methode?

Diese Coaching-Methode eignet sich besonders für:

  • Führungskräfte

  • Unternehmer*innen

  • Projektverantwortliche

  • Menschen in anspruchsvollen Veränderungsprozessen

  • Personen mit ausgeprägtem Verantwortungsgefühl

Im Kern richtet sie sich an Menschen, die lernen möchten, zwischen Einfluss und Verantwortung differenziert zu unterscheiden.

 

Fazit

Die Drei Kreise des Einflusses sind ein einfaches Modell mit großer Wirkung.

Sie helfen dabei, gedankliche Unschärfe durch klare Zuordnung zu ersetzen – und damit Energie dorthin zu lenken, wo sie tatsächlich wirksam werden kann.

Führung beginnt nicht bei der Kontrolle anderer, sondern bei der bewussten Steuerung des eigenen Wirkungsbereichs.

 

Wenn du den Eindruck hast, mehr Verantwortung zu tragen, als dir tatsächlich zusteht, lohnt sich ein genauer Blick auf deine Einflussbereiche.

Gerne begleite ich dich dabei, deine Wirksamkeit neu zu strukturieren und deine Energie gezielt auszurichten.


Eure Johanna

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